HR und Arbeitsrecht

Bürohunde – eine Win-Win-Situation

Bürohund
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Sabine Reich

Rechtsanwältin (Syndikusrechtsanwältin)

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Warum sind Hunde bei Weltkonzernen wie Google oder Amazon Bestandteil der Unternehmenskultur? Loriot hat´s gewusst: „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“.

In den letzten Jahren hat sich der Trend zu einer hundefreundlichen Arbeitsumgebung immer weiter verbreitet. Unternehmen erkennen zunehmend die Vorteile, die Bürohunde nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für das Betriebsklima und die Produktivität mit sich bringen. Diese pelzigen Kollegen können eine Vielzahl positiver Auswirkungen haben, insbesondere in Bezug auf die Gesundheit der Mitarbeiter und die Bindung an das Unternehmen.

Es ist kein Geheimnis, dass die Anwesenheit von Hunden gut tut. Mehrere Studien und Untersuchungen haben die Auswirkungen eines Bürohundes auf die anwesenden Menschen untersucht. Die Resultate sind durchweg positiv: harmonischeres Betriebsklima, weniger Stress, mehr Empathie, höhere Zufriedenheit sowie bessere Kommunikation. Doch auch die Risiken für Herzinfarkt, Schlaganfall und Burn-out bei den Beschäftigten sinken und es sind weniger Fehltage zu verzeichnen. Davon profitieren nicht nur die Besitzer, sondern auch Nicht-Hundehalter, die ihr Arbeitsumfeld mit den Hunden ihrer Kollegen teilen, und letztlich auch die Unternehmen selbst. Jeder Arbeitgeber sollte daher zumindest ernsthaft darüber nachdenken, wenn ein Beschäftigter mit dem Wunsch der Mitnahme seines Hundes an ihn herantritt.

Das Mitbringen von Hunden betrifft die Ordnung und das Verhalten von Beschäftigten, also den Kern des Weisungsrechts des Arbeitgebers. In der Praxis hängt es also von der Entscheidung oder Duldung des Arbeitgebers ab, ob das Mitbringen von Hunden erlaubt wird oder nicht. Lediglich aus den §§ 12 e ff Behindertengleichstellungsgesetz (BBG) in Verbindung mit der Assistenzhundeverordnung (AHundV) ergibt sich das Recht eines Beschäftigten z. B. einen Blindenführhund oder Assistenzhunde für Menschen mit motorischer Beeinträchtigung, akustischer Wahrnehmungsbeeinträchtigung oder Anfallserkrankungen und psychosozialen Beeinträchtigungen mitzubringen. Jeder Beschäftigte hat hier einen Anspruch auf ermessensfehlerfreie Entscheidung durch den Arbeitgeber.

Allein aus einer zeitweiligen Duldung des Bürohundes durch den Arbeitgeber entsteht kein Anspruch auf eine dauerhafte künftige Mitnahme des Hundes. Hat der Arbeitgeber die Mitnahme vom Hund einmal gestattet, kann er diese Erlaubnis widerrufen, insbesondere wenn das Tierverhalten zu Störungen im Betriebsablauf führt. Zu berücksichtigen sind – wie immer im Arbeitsrecht – die Interessen des Arbeitgebers, des Beschäftigten, der die Mitnahme seines Hundes wünscht, sowie die Interessen seiner Kollegen.

Der Arbeitgeber darf nicht nur die positiven Aspekte des „Bürohundes“ sehen, sondern muss auch die Fürsorgepflicht gegenüber den Kollegen, die eventuell Angst (maßgeblich ist das subjektive Angstempfinden des Kollegen), Allergien oder sonstige Vorbehalte gegen möglichen Dreck, Geruch oder Lärm durch Bellen durch den Hund haben, wahren. Es ist zwingend zu prüfen, dass der Hund gut erzogen ist, keine Aggressivität gegenüber Menschen und kein Revierverhalten zeigt. Der Arbeitgeber muss auch die Vorgaben durch den Tierschutz hinsichtlich des Platzes oder der täglichen mehrfachen Gassigänge einhalten.

Betriebsrat?

Das Mitbringen eines Hundes wird in der Regel das mitbestimmte Ordnungsverhalten betreffen, sodass der Betriebsrat mitbestimmen muss. Sinnvoll ist die Aufnahme von Regeln für das Mitführen eines Bürohundes in einer betrieblichen Hausordnung.

Haftung für Schäden im Betrieb?

Es gilt die Gefährdungshaftung des Tierhalters. Es ist daher wichtig, dass der Arbeitnehmer, der den Hund mitnehmen möchte, eine Tierhaftpflichtversicherung abgeschlossen hat. Tierhalter bleibt der Arbeitnehmer und nicht Kollegen, die den Hund zeitweise beaufsichtigen. Der Arbeitgeber könnte in die Haftung kommen, wenn er einen auffällig gewordenen gefährlichen Hund im Büro weiter duldet. Dies wäre ein wichtiger Grund, die einmal erteilte Erlaubnis zu widerrufen – der Arbeitgeber muss keinen Maulkorb dulden!

Vorteile?

Insgesamt sind Bürohunde eine Win-Win-Situation für Unternehmen und Mitarbeiter. Unternehmen, die Bürohunde willkommen heißen, investieren in das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter und ernten oft langfristige Vorteile in Form einer gesteigerten Produktivität und Mitarbeiterzufriedenheit. Auch beim Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie, denn hiervon sind oft auch die Haustiere betroffen. Zum Einstieg für alle Beteiligten, könnte man zunächst eine Erprobungsphase z. B. mit einem Tag pro Woche durchführen. Mal sehen, wie es klappt.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwenden wir die männliche Form.
Wir meinen immer alle Geschlechter im Sinne der Gleichbehandlung.

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