Aussenwirtschaft

EU-Importe: China holt auf

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Simone Diebold

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China hat seinen Anteil an den Importen der EU in jüngster Zeit weiter ausgebaut, während Deutschland auf seinem wichtigsten Absatzmarkt an Boden verloren hat – selbst an wichtigen Industrieprodukten.

In Diskussionen über die aktuellen Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft fällt irgendwann unweigerlich das Stichwort China. Zuletzt stand dabei oft die Abhängigkeit hiesiger Unternehmen von chinesischen Rohstoffen und Vorleistungen im Mittelpunkt. Mindestens ebenso besorgniserregend ist allerdings, wie chinesische Unternehmen deutschen Firmen auf den globalen Märkten Konkurrenz machen – und das nicht zufällig: Die chinesische Regierung zielt mit ihrer Strategie „Made in China 2025“ darauf ab, durch massive Förderung die heimischen Unternehmen auch im Medium- und Hightech-Bereich zum Innovationsführer zu machen. Damit nimmt sie exakt jene Branchen ins Visier, in denen Deutschland bislang Spezialisierungsvorteile hat. Steht das deutsche Exportmodell infrage?

Wie sich der Wettbewerb zwischen China und Deutschland konkret entwickelt, hat das IW am Beispiel des europäischen Marktes untersucht. Der Blick auf die gesamten Importe der EU zeigt: China gewinnt Marktanteile, Deutschland erleidet Einbußen.

Während sich Chinas Anteil an allen Warenimporten der EU seit 2005 annähernd verdoppelt hat und 2022 fast 9 Prozent betrug, verringerte sich der deutsche Anteil um fast 3 Prozentpunkte auf 12,5 Prozent.

Zwar ist zu berücksichtigen, dass in den Werten für China auch die deutschen Importe von dort enthalten sind. Dennoch ist der geschrumpfte Vorsprung Deutschlands bedenklich – schließlich haben die deutschen Firmen in Europa aufgrund der Zugehörigkeit zum Binnenmarkt und der geografischen Nähe klare Startvorteile. Die Zahlen zeigen zudem, dass sich die Marktanteilsverschiebungen auch in dem kurzen Zeitraum von 2020 bis 2022 fortgesetzt haben.

Chinas Importanteil bei Tech-Produkten wächst

In einem zweiten Schritt haben die IW-Forscher den Fokus auf anspruchsvolle Industriegüter gerichtet. Dabei geht es um acht Gruppen von Produkten, die mit viel Technologie und Know-how gefertigt werden. Zusammen machen sie 61 Prozent der EU-Importe aus Deutschland aus.

Den größten Importanteil haben mit annähernd 14 Prozent Kraftwagen und dazugehörige Teile, gefolgt von chemischen Erzeugnissen (11,5 Prozent) und Maschinen (11 Prozent). Von den aus China in die EU eingeführten Waren entfallen nach einem starken Anstieg sogar knapp 73 Prozent auf anspruchsvolle Industriegüter, wobei mit rund 30 Prozent die Gruppe der Datenverarbeitungsgeräte sowie elektrischen und optischen Erzeugnisse dominiert.

Insgesamt hat China bei diesen Produktgruppen noch stärker zu Deutschland aufgeschlossen als bei den EU-Importen allgemein (Grafik):

Der Anteil der von den übrigen EU-Ländern aus Deutschland importierten anspruchsvollen Industrieprodukte an allen entsprechenden Einfuhren ging von 2005 bis 2022 um annähernd 5 Prozentpunkte auf 15,5 Prozent zurück.

Chinas Marktanteil an den EU-Importen anspruchsvoller Industriegüter erhöhte sich dagegen im selben Zeitraum von 5,4 auf 13 Prozent. In den vergangenen beiden Jahren hat sich diese Entwicklung noch beschleunigt. Setzt sich dieser Trend fort, zieht China schon bald an Deutschland vorbei.

In einigen der acht Gruppen anspruchsvoller Industriewaren ist das bereits der Fall, in anderen schrumpft der deutsche Vorsprung zusehends (Grafik):

Bei elektrischen Ausrüstungen war der deutsche Anteil an den EU-Importen im Jahr 2005 mit gut 20 Prozent noch fast doppelt so hoch wie der chinesische – inzwischen kommt Deutschland nur noch auf 15,5, China jedoch auf 23,7 Prozent.

Am weitesten enteilt sind Lieferanten aus China den deutschen Firmen auf dem EU-Markt im Segment der Datenverarbeitungsgeräte.

In den Produktgruppen Maschinen sowie Kraftwagen und -teile liegt Deutschland zwar noch deutlich vor der chinesischen Konkurrenz, doch diese holt unverkennbar auf.

All dies stimmt mit Blick auf die künftige Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft sorgenvoll. So dürfte sich in der Automobilsparte der aufgezeigte Trend im Zuge der in vielen Ländern angestrebten Energiewende noch beschleunigen, da sich China beim Umstieg auf die Elektromobilität bereits deutlich besser auf den internationalen Märkten positioniert hat als beim klassischen Verbrennungsmotor. Die deutsche Chemiebranche wird angesichts der hierzulande besonders hohen Energiekosten ebenfalls Mühe haben, ihre Exporterfolge zu verteidigen. Und auch im Maschinenbau sind die deutschen Anbieter trotz aller Spezialisierung längst nicht mehr immun gegen die Wettbewerber aus China. Insgesamt stehen hinter der Zukunftsfähigkeit des deutschen industriellen Exportmodells immer mehr Fragezeichen.

QUELLE: iwd – Der Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft

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