Markt und Wettbewerb

IW-Konjunkturumfrage: Perspektiven für die Unternehmen bleiben trist

Perspektive, Konjunktur
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Simone Diebold

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In 2024 wird die deutsche Wirtschaft die Krise kaum abschütteln können – die vom Institut der deutschen Wirtschaft befragten Unternehmen sind überwiegend pessimistisch, was ihre Geschäftsaussichten angeht. Lichtblicke gibt es wenige.

Corona, Ukraine-Krieg, Nahostkonflikt – die Belastungen für die Weltwirtschaft nehmen kein Ende. Die westliche Staatengemeinschaft sucht zudem den richtigen Umgang mit Chinas ökonomischem Machtstreben. All dies trifft die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft besonders hart. Hinzu kommt, dass der wirtschafts- und klimapolitische Kurs der Bundesregierung viele Unternehmen verunsichert. Die aktuelle IW-Konjunkturumfrage zeichnet denn auch ein insgesamt trübes Bild.

Von den gut 2.000 befragten Unternehmen in Deutschland geben 39 Prozent an, ihre Produktionslage sei schlechter als vor einem Jahr – nur 18 Prozent sehen eine Verbesserung.

So viel Prozent der Unternehmen bewerten die Lage bzw. die Perspektiven für 2024 mit Blick auf Produktion, Investitionen und Beschäftigung.

In der Industrie sprechen sogar 48 Prozent der Betriebe von einer schlechteren Situation als im Frühjahr 2023, lediglich 19 Prozent bewerten die Lage als besser. Einzig im Dienstleistungssektor halten sich positive und negative Meldungen nahezu die Waage.

Die Erwartungen der Unternehmen für das Gesamtjahr 2024 fallen zwar etwas besser aus als die Lagebewertung. Dennoch sind die Perspektiven so trist wie noch nie seit der Finanzmarktkrise von 2008/2009 – wobei das IW im Frühjahr 2020 infolge des Ausbruchs der Coronapandemie keine Befragung durchgeführt hat.

Insgesamt gehen 37 Prozent der gut 2.000 vom IW befragten Unternehmen davon aus, dass ihre Geschäfte in diesem Jahr schlechter laufen werden als 2023, nur 23 Prozent rechnen mit einem Aufwärtstrend.

Allerdings gibt es zwischen den einzelnen Wirtschaftsbereichen deutliche Unterschiede.

So viel Prozent der Unternehmen in Deutschland erwarten für das Jahr 2024 gegenüber 2023 diese Entwicklung der Produktion/Investitionen/Beschäftigung.

1. Industrie

Das Meinungsbild der Industriefirmen sieht im Schnitt ähnlich aus wie das der Gesamtwirtschaft – 39 Prozent erwarten für das laufende Jahr eine sinkende, 24 Prozent eine steigende Produktion. Am wenigsten skeptisch sind die Hersteller von Konsumgütern – in diesem Bereich übersteigt der Anteil der Pessimisten jenen der Optimisten um lediglich 4 Prozentpunkte. Im Grundstoffbereich – zu dem beispielsweise die Chemie und die Energiewirtschaft zählen – rechnen dagegen 43 Prozent der Unternehmen mit einer rückläufigen Produktion und nur 21 Prozent mit einem Anstieg. Die unterm Strich negativen Geschäftsperspektiven schlagen sich auch in den Investitionsplänen nieder.

Gerade einmal knapp ein Viertel der Industriebetriebe geht davon aus, dass es seine Investitionen 2024 steigern wird, während mehr als ein Drittel das entsprechende Budget voraussichtlich gegenüber dem Vorjahr kürzen muss.

Vor diesem Hintergrund sieht sich eine relative Mehrheit der Unternehmen in der Industrie gezwungen, Personal abzubauen. Die Beschäftigungsaussichten haben sich seit dem vergangenen Herbst nochmals verschlechtert.

2. Baugewerbe

Hier deuten die Befragungsergebnisse darauf hin, dass sich die Rezession der vergangenen Jahre abschwächt – aber längst nicht überwunden ist.

Immer noch erwarten 46 Prozent der Baufirmen für 2024 eine rückläufige Produktion, nur 15 Prozent halten einen Zuwachs für wahrscheinlich.

Im vergangenen Herbst gingen sogar 54 Prozent von einem Produktionsminus aus und gerade einmal 13 Prozent von einem Anstieg. Auch mit Blick auf die Investitionspläne hat sich das Bild im Vergleich zur vorherigen Umfrage aufgehellt.

Trotzdem sind die Skeptiker mit 43 zu 18 Prozent weiterhin klar in der Mehrzahl. Und so überwiegen auch diejenigen Unternehmen, die mit einer schrumpfenden Belegschaft im laufenden Jahr rechnen.

3. Dienstleistungen

Im Servicesektor sind mit je 29 Prozent ebenso viele Firmen optimistisch wie pessimistisch, was die Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr angeht. Damit trägt dieser Bereich dazu bei, die Wirtschaft zu stabilisieren, ohne allerdings große positive Impulse setzen zu können. Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zudem zu berücksichtigen, dass die IW-Umfrage den großen Bereich der öffentlichen Dienstleistungen, den Finanzsektor sowie haushaltsnahe Dienste nicht erfasst. Gleichwohl ist es ermutigend, dass die befragten Dienstleister per saldo ihre Investitionen gegenüber 2023 steigern wollen. Der Arbeitsmarkt dürfte sich folglich hier vergleichsweise gut entwickeln.

34 Prozent der Dienstleistungsunternehmen haben vor, im weiteren Jahresverlauf ihr Personal aufzustocken, einen Stellenabbau planen 31 Prozent.

Im vergangenen Herbst war der Saldo der Beschäftigungspläne noch leicht negativ gewesen.

Regionale Ausreißer

Über alle Branchen hinweg zeigt sich das negative Gesamtergebnis der IW-Umfrage auch in den einzelnen Regionen – fast überall in Deutschland sind die Firmen in der Mehrheit, die von schlechteren Geschäften als im Vorjahr ausgehen. Eine Ausnahme bilden Sachsen und Thüringen, wo der Anteil der optimistischen Firmen mit 29 Prozent jenen der Pessimisten um 1 Prozentpunkt übertrifft. Ein Grund könnte sein, dass dort die Elektroindustrie sowie die Informations- und Kommunikationstechnologie stark vertreten sind und die Unternehmen in diesen Bereichen relativ zuversichtlich nach vorne schauen.

QUELLE: iwd – Der Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft

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