Die Großhändler in Deutschland bewerten die wirtschaftliche Lage sehr pessimistisch. Eine Verbesserung der konjunkturellen Aussichten ist vorerst nicht zu erwarten.
Die Großhandelsumsätze verhalten sich weiterhin verhalten und starten schwach in das dritte Quartal. Nach den Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) verzeichnete der Großhandel im Juli ein reales Umsatzminus von 5,0 Prozent. Nominal wurden 6,7 Prozent weniger Waren verkauft als im Vorjahresmonat. In der Umsatzentwicklung spiegelt sich die allgemein schwache wirtschaftliche Lage wider. Steigende Zinsen sowie hohe Kosten für Personal, Bürokratie und Energie sorgen für erhebliche Belastungen für die Unternehmen. Eine politische Flankierung ist dringend notwendig, damit der Standort Deutschland gestärkt wird und damit die Konjunktur wieder anziehen kann.
Besonders beim Produktionsverbindungshandel macht sich der Verlust an Wettbewerbsfähigkeit bemerkbar. Nominal sanken die Umsätze im Juli um 12,8 Prozent. Auch real lagen sie 6,1 Prozent unterhalb des Vorjahresmonats. Lediglich der Handel mit landwirtschaftlichen Grundstoffen konnte im Vorjahresvergleich real um 5,8 Prozent zunehmen, während alle anderen Zweige der Branche Umsatzrückgänge hinnehmen mussten. Der Konsumgütergroßhandel entwickelt sich vergleichsweise stabil. Die Umsätze nahmen im Juli nominal 1,8 Prozent zu, bei einem realen Rückgang von 3,9 Prozent. Während der Preisdruck allgemein nachlässt, bleibt der Preisdruck bei den Lebensmittelpreisen bestehen, weshalb der Handel mit Lebensmitteln und Getränken nominal 4,8 Prozent mehr Waren verkauft hatte, real allerdings 4,5 Prozent weniger. Die schwächelnde wirtschaftliche Lage drückt zunehmend auch die Stimmung der Unternehmen, wie der BGA-Klimaindikator zur Konjunkturumfrage vom August zeigt. Die schwache Auslandsnachfrage zusammen mit hohen Kosten für Personal, Energie und Bürokratie stellen die Unternehmen vor eine Hürde, die die Stimmung deutlich drücken. Aufgrund steigender Zinsen sinkt die Rentabilität von Investitionen, weshalb besonders im Bausektor Aufträge storniert werden oder wegfallen. So sinkt der BGA-Klimaindikator von 95,5 auf 77,6 Punkte weit in den pessimistisch zu bewertenden Bereich unterhalb von 100 Punkten. Besonders die aktuelle Lage hat sich seit der Umfrage zum Jahreswechsel 2022/23 deutlich verschlechtert und wird inzwischen mit 84,3 Punkten wieder deutlich negativ bewertet. Der BGA sieht die aktuelle Lage im Großhandel kritisch und erwartet vorerst keine Erholung. Eine Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist aus Sicht des BGA dringend notwendig, um wieder mehr wirtschaftliche Dynamik anzuschieben und die Konjunktur zu stabilisieren.
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