HR und Arbeitsrecht

Mitarbeiterkritik auf Bewertungsplattformen

Bewertung
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Sabine Reich

Rechtsanwältin (Syndikusrechtsanwältin)

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Der Arbeitgeber ist ungerechtfertigten negativen Bewertungen, die oft aus Frust geschrieben werden, nicht mehr hilflos ausgeliefert.

Bisher musste der Arbeitgeber eine ungerechtfertigte anonyme negative Bewertung mit dem Argument, aus Datenschutzgründen dürfe die Person des Bewerters nicht genannt werden, oft hinnehmen.
Häufig hat ein verärgerter oder gekündigter Arbeitnehmer aber aus unlauteren Motiven eine oder mehrere übertrieben negative Bewertungen abgegeben, die durchaus geeignet sein können, die Attraktivität eines Arbeitgebers negativ zu beeinflussen. In Zeiten des Fachkräftemangels kein geringes Problem. Abgesehen davon, dass es einfach ärgerlich ist, wenn man sich gegen ungerechtfertigte schlechte Bewertungen nicht wehren kann.

Nach einer Eilentscheidung des OLG Hamburg muss kununu – eine professionell betriebene Arbeitgeber-Bewertungsplattform, auf der Arbeitnehmer anonym und kostenlos ihren Arbeitgeber bewerten können – bei einer konkreten Beanstandung des Arbeitgebers bezüglich der Echtheit seiner Bewertung, diese überprüfen. Dabei müsse der Plattformbetreiber die Anonymität der bewertenden Person gegebenenfalls aufheben und bei Zweifeln an der Echtheit die Bewertung dauerhaft löschen. Auf Datenschutz könne der Plattformbetreiber sich hierbei nicht berufen.

Im zu entscheidenden Fall hatte der Arbeitgeber mehrere gravierende, fast beleidigende Bewertungen angezweifelt und wollte erreichen, dass kununu die Bewertungen löscht. Kununu forderte daraufhin den Arbeitgeber auf, den Nachweis zu erbringen, dass die Bewertungen nicht echt seien, was der Arbeitgeber aber mangels Konkretheit der Bewertungen nicht leisten konnte. Kununu löschte daraufhin die Bewertungen nicht, sondern forderte von demjenigen, der die Bewertungen vorgenommen hatte, einen Nachweis über die Echtheit der Bewertung an. Dieser übermittelte lediglich anonymisierte Tätigkeitsnachweise. Damit war kununu zufrieden, nicht aber der Arbeitgeber, denn die anonymisierten Tätigkeitsnachweise reichten dem Arbeitgeber nicht aus, die Kritik auf Richtigkeit zu überprüfen. Die Bewertungen blieben daher zunächst auf der Plattform ungelöscht.

Die erste Instanz wies den Antrag des Arbeitgebers zurück, der im einstweiligen Rechtschutzverfahren die Löschung der negativen Bewertungen beantragt hatte. Die zweite Instanz entschied aber nun, dass die Anonymität aufgehoben werden könne, der Klarname von kununu genannt werden und gegebenenfalls die Bewertungen dauerhaft gelöscht werden müssen. Laut OLG Hamburg muss das Bewertungsportal den Klarnamen der bewertenden Person herausgeben, wenn die Echtheit der Bewertung angezweifelt wird.

Auch wenn es ein Beschluss im Eilverfahren war, er gibt Hoffnung für alle Arbeitgeber, die gegen ungerechtfertigte negativen Bewertungen auf einer Bewertungsplattform vorgehen wollen.
Jetzt ist es nicht mehr möglich, leichtfertig negative Bewertungen einfach aus Frust auf einer Bewertungsplattform loszuwerden – es können rechtliche Konsequenzen folgen!

Letztendlich führt dieser Beschluss zu einer glaubwürdigeren Bewertungsplattform für alle Nutzer.
grosshandel-bw begrüßt diese Rechtsprechung.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwenden wir die männliche Form.
Wir meinen immer alle Geschlechter im Sinne der Gleichbehandlung.

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