Aus- und Weiterbildung

Städte: Heimat vieler Akademiker und Niedrigqualifizierter

Großstadt, Frankfurt
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Simone Diebold

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Akademiker leben in Deutschland häufiger in Städten – genauso wie Niedrigqualifizierte. In ländlichen Regionen ist dagegen der Anteil der Menschen mit Berufsausbildung höher. Diese Verteilung wirkt sich auf den Arbeitsmarkt aus.

Nach dem Studium zurück in die Heimat oder doch lieber am neuen Wohnort bleiben? Für viele Menschen in Deutschland stellt sich diese Frage nach ihrem Abschluss. Die besseren beruflichen Chancen gibt es oft in den Metropolen und regionalen Zentren. Folglich entscheiden sich viele Akademiker dazu, weiter in den Städten zu leben, wie das Institut der deutschen Wirtschaft herausgefunden hat.

Der Akademikeranteil lag im Jahr 2019 – neuere Daten sind noch nicht verfügbar – in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern über alle Altersgruppen hinweg über dem Bundesdurchschnitt.

So viel Prozent der Einwohner Deutschlands dieser Altersgruppe hatten im Jahr 2019 einen akademischen Abschluss

Die größte Diskrepanz gibt es in der Gruppe der 25- bis 34-Jährigen. Während in Deutschland gut 28 Prozent von ihnen einen akademischen Abschluss haben, sind es in den größeren Städten mehr als 39 Prozent. Dabei gilt es allerdings zu beachten, dass sich viele Akademiker um die 30 noch in Ausbildungen befinden, die typischerweise in Städten absolviert werden – etwa zum Facharzt in Kliniken oder einem Promotionsstudium.

Ähnlich hoch ist der Anteil der Akademiker in den Großstädten unter den 35- bis 44- Jährigen mit fast 37 Prozent. Mit zunehmendem Alter nähern sich die Prozentwerte von Stadt- und Landbevölkerung an.

„Im ländlichen Raum leben mehr Akademiker, als dort arbeiten. Viele pendeln in die umliegenden Städte.“

Die deutschlandweit höchste Akademikerdichte hat die Region München – gut 40 Prozent der 25- bis 64-Jährigen haben mindestens einen Bachelorabschluss in der Tasche. Direkt dahinter folgt Berlin mit mehr als 39 Prozent. Die Hauptstadt liegt allerdings in der Kategorie der 35- bis 44-Jährigen – bei ihnen kann man von einer abgeschlossenen akademischen Laufbahn ausgehen – mit 44 Prozent Akademikern vor der bayerischen Metropole, hat also mehr Jung-Akademiker vor Ort. Dementsprechend könnte Berlin die Region München in absehbarer Zeit als Spitzenreiter ablösen.

Die Art der Bildungsabschlüsse zeigt, dass der Abstand zwischen Stadt und Land auf die Universitäten zurückzuführen ist.

Der Anteil der Universitätsabsolventen an der Bevölkerung zwischen 35 und 44 Jahren ist in den Großstädten mit knapp 27 Prozent nahezu dreimal so hoch wie in kleinen Gemeinden.

Dagegen sind die Anteile der Absolventen anderer Hochschulformen mit gut 10 Prozent in Städten und rund 9 Prozent auf dem Land relativ ähnlich. Auffällig ist: Im ländlichen Raum leben mehr Akademiker, als dort arbeiten. Das deutet darauf hin, dass die fehlenden Berufschancen vor Ort und nicht die Attraktivität der ländlichen Regionen als Wohnort eine höhere Akademikerquote verhindern. Doch nicht nur am oberen Ende der Qualifikationsskala liegen Stadt und Land weit auseinander. Auch Niedrigqualifizierte – also Menschen ohne Berufsabschluss – zieht es vermehrt in die Zentren.

Der Anteil der Niedrigqualifizierten im Alter zwischen 25 und 64 Jahren war in Städten ab 100.000 Einwohnern mit knapp 21 Prozent fast doppelt so hoch wie auf dem Land.

So viel Prozent der Einwohner Deutschlands dieser Altersgruppe hatten im Jahr 2019 keinen berufsqualifizierenden Abschluss

Besonders viele Menschen ohne berufliche Qualifikation leben im Ruhrgebiet. Niedrig ist die Quote dagegen im Osten Deutschlands. Die Erklärung liefert vorwiegend die Herkunft der Niedrigqualifizierten, denn rund die Hälfte von ihnen ist nicht in Deutschland geboren. Da der Zuwandereranteil im Westen der Republik deutlich höher ist als in den östlichen Bundesländern, hebt beziehungsweise reduziert dies die entsprechende Quote. Bei der Interpretation der Daten ist aber zu beachten, dass die Bildungswege im Ausland nicht dem deutschen System entsprechen und auch zugewanderte Niedrigqualifizierte über ausgeprägte Fachkenntnisse verfügen können.

Ungeachtet dessen ist die Situation der Niedrigqualifizierten auf dem deutschen Arbeitsmarkt trotz Fachkräftemangel nach wie vor schwierig.

Ein deutliches Indiz dafür ist die Struktur der Erwerbslosigkeit: Mehr als die Hälfte der Arbeitslosen hatte im Jahr 2019 keinen berufsqualifizierenden Abschluss vorzuweisen, unter den Langzeitarbeitslosen waren es sogar annähernd zwei Drittel. Noch schlechter dürften die Arbeitsmarktchancen für jene Menschen sein, die nicht nur keinen beruflichen, sondern auch keinen Schulabschluss haben. Dies galt zuletzt für gut 18 Prozent der Niedrigqualifizierten im Alter von 25 bis 64 Jahren. Wiederum sind Zuwanderer besonders betroffen: Fast drei Viertel der Niedrigqualifizierten ohne Schulabschluss sind im Ausland geboren.

Was die Politik tun muss

Für die Politik bedeutet all dies, dass sie sich zum einen noch stärker für ein besseres Bildungssystem einsetzen muss. Zum anderen sollte sie noch mehr dafür tun, dass möglichst viele Zugewanderte den beruflichen Abschluss machen, der ihnen bislang fehlt.

Des Weiteren ließe sich die deutschlandweite Verteilung der Niedrigqualifizierten zumindest zum Teil steuern. So könnten etwa im Ruhrgebiet, das den höchsten Anteil der Niedrigqualifizierten hat, gezielt Asylbewerber mit beruflichem Abschluss untergebracht werden, damit sie nach einem erfolgreichen Asylverfahren dem dortigen Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Im Gegenzug könnten ungelernte Asylbewerber besser auf die ländlichen Gebiete verteilt werden, weil sie dort möglicherweise eher eine Helfertätigkeit finden.

QUELLE: iwd – Der Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft

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