Markt und Wettbewerb

Unternehmen rechnen mit schlechteren Geschäften

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Simone Diebold

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Inflationssorgen und geopolitische Unsicherheiten trüben die konjunkturellen Aussichten in Deutschland. Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen und Regionen.

Von der zaghaften Zuversicht, die die IW-Konjunkturumfrage im Frühjahr verbreitete, ist ein paar Monate später nur noch wenig übrig. Zwar haben sich die Materialengpässe in der deutschen Industrie deutlich entspannt, doch die Folgen der Energiekrise sind längst nicht überwunden und die nach wie vor hohe Inflation nagt an der Kaufkraft der Verbraucher. Zudem führen unter anderem die politischen Spannungen zwischen China und den westlichen Staaten dazu, dass viele Unternehmen mit ihren Investitions- und Produktionsentscheidungen zögern.

Vor diesem Hintergrund rechnet die Mehrheit der Wirtschaftsforscher inzwischen für das laufende Jahr mit einem realen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts. Dieser Stimmungswandel schlägt sich auch in der aktuellen Konjunkturumfrage des IW nieder.

Gut ein Drittel der befragten Unternehmen stuft die aktuelle Geschäftslage im Vorjahresvergleich als schlechter ein, nur knapp ein Viertel sieht eine Verbesserung. Kaum positiver fällt der Blick auf den weiteren Jahresverlauf aus.

Bezüglich der Investitionen halten sich Optimismus und Pessimismus einigermaßen die Waage. Doch wenn man berücksichtigt, dass die Investitionstätigkeit in den vergangenen (Corona-)Jahren schwach war, ist der ausbleibende klare Aufwärtstrend eine schlechte Nachricht. Die Beschäftigungsperspektiven sind zwar ähnlich verhalten, doch das lässt sich angesichts der schwachen Konjunktur immerhin als Signal deuten, dass der Arbeitsmarkt stabil ist.

In den einzelnen Wirtschaftssektoren fallen die Umfrageergebnisse recht unterschiedlich aus:

Industrie. Verglichen mit der IW-Konjunkturumfrage vom Frühjahr sehen die Industriefirmen inzwischen deutlich skeptischer nach vorn. Gut vier von zehn Industrieunternehmen rechnen für das Gesamtjahr 2023 mit einer rückläufigen Produktion, nur noch drei von zehn werden ihre Fertigung voraussichtlich ausweiten. Vor allem die Hersteller von Konsum- und von Grundstoffgütern sind überwiegend pessimistisch. Erstere leiden insbesondere unter der inflationsbedingten Zurückhaltung der Verbraucher, Letztere zudem unter Produktionseinschränkungen infolge der Energiekrise. Weiterhin recht positiv ist das Stimmungsbild allein bei den Produzenten von Investitionsgütern wie Maschinen und Fertigungsanlagen – diese Firmen bauen darauf, dass es in vielen Bereichen in Deutschland inzwischen einen großen Nachholbedarf in Sachen Investitionen gibt. Im Verarbeitenden Gewerbe selbst wollen immerhin fast genauso viele Betriebe in diesem Jahr mehr investieren wie ihr Investitionsbudget kürzen.

Dienstleistungen. Hier hat sich die Stimmung ebenfalls erheblich eingetrübt, allerdings überwiegen nach wie vor jene Unternehmen, die einen geschäftlichen Aufwärtstrend sehen. Das Gefälle innerhalb des Servicesektors ist jedoch groß. Im Handel übersteigt der Anteil der negativen Geschäftserwartungen jenen der positiven Einschätzungen um 30 Prozentpunkte – in der Informations- und Kommunikationswirtschaft liegen dagegen die Optimisten um 27 Prozentpunkte vorn. Insgesamt ist der Dienstleistungssektor der einzige große Wirtschaftsbereich, in dem nicht nur hinsichtlich der Geschäftstätigkeit, sondern auch mit Blick auf die Investitions- und Beschäftigungsentwicklung eine Mehrheit der Unternehmen zuversichtlich ist.

Baugewerbe. Ganz anders ist die Lage im Bausektor, in dem die Unternehmen – wie schon im Frühjahr – für 2023 im Vergleich zu 2022 schlechtere Geschäfte, sinkende Investitionen und einen Personalabbau erwarten. Zu den Gründen gehören die gestiegenen Kosten für Material und Energie, die Zinserhöhungen, welche die Baunachfrage drücken, sowie fehlende Fachkräfte.

Regionale Unterschiede

Das Branchenmuster liefert auch eine Erklärung für die unterschiedlichen Konjunkturerwartungen in den einzelnen Regionen Deutschlands. Zwar überwiegen in allen vom IW definierten Wirtschaftsräumen jene Firmen, die einen negativen Produktionstrend befürchten. Besonders groß ist die Mehrheit der Pessimisten allerdings unter anderem in Baden-Württemberg sowie im Raum Süd-West (Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland). In diesen beiden Regionen spielen energieintensive Wirtschaftszweige wie die chemische Industrie eine große Rolle – und diese Branchen haben in besonderem Maß mit den Folgen der Energiekrise zu kämpfen.

QUELLE: iwd – Der Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft

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