Energie und Umwelt

Wie abhängig ist Deutschland von russischen Importen?

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Simone Diebold

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Deutschland importiert vor allem Rohstoffe, die am Anfang der Wertschöpfungskette stehen. Lieferausfälle können damit mehrere Produktionsstufen hintereinander stilllegen.

Eigentlich ist die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von Russland überschaubar – so gingen nur 1,9 Prozent der deutschen Exporte im Jahr 2021 nach Russland. Auf der Importseite ist die Abhängigkeit von russischen Produkten aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive mit einem Anteil von 2,7 Prozent nur unwesentlich größer.

Allerdings greift diese Betrachtung zu kurz. Denn Deutschland importiert vor allem jene Rohstoffe und Erzeugnisse, die am Anfang der Wertschöpfungskette vieler Produkte stehen – vor allem in der chemischen und petrochemischen Industrie. Von diesen Importen entfallen etwa zwei Drittel auf Erdöl und Erdgas, rund ein Zehntel der Warenimporte sind Nichteisenmetalle. Und gerade in diesen Bereichen ist die Abhängigkeit Deutschlands von Russland recht hoch:

Immerhin kommen 55 Prozent der deutschen Erdgasimporte aus Russland, beim Erdöl ist es etwa ein Drittel.

Je nach Branche ist die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von russischen Rohstoffen also sehr groß, auch wenn sich das in den Daten zur Endnachfrage kaum ablesen lässt (siehe Grafik):

Während im Jahr 2018 im Dienstleistungsbereich nur 0,5 Prozent der für die Endnachfrage in Deutschland benötigten Wertschöpfung aus Russland kamen, waren es im Verarbeitenden Gewerbe 1,9 Prozent.

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Der Kern des Problems: Im Verarbeitenden Gewerbe entfällt allein ein Drittel der Importe aus Russland auf Energieprodukte wie Erdgas und Erdöl. Die restlichen zwei Drittel sind andere Rohstoffe, Chemikalien, verarbeitete Metallprodukte und Dienstleistungen.

»Deutschland importiert vor allem jene Rohstoffe und Erzeugnisse aus Russland, die am Anfang der Wertschöpfungskette vieler Produkte stehen.«

Auch in der deutschen Automobilindustrie werden wichtige Vorprodukte aus Russland importiert: Immerhin kommen drei Viertel der Importe von Isopren-Kautschuk – der beispielsweise für die Herstellung von Autoreifen eingesetzt wird – aus Russland. Das Edelmetall Palladium, das für die Herstellung von Autokatalysatoren verwendet wird, stammt ebenfalls zu einem Viertel aus Russland.

So enthält ein durchschnittliches deutsches Auto im Wert von 50 000 Euro etwa 500 Euro an russischer Wertschöpfung, davon 150 Euro an russischen Energieprodukten und 350 Euro an anderen Produkten.

 Lieferstopp von Erdgas hätte drastische Folgen

Während Erdöl auch aus anderen Ländern importiert werden kann, ist es beim Erdgas aufgrund fehlender Infrastruktur kaum möglich, einen schnellen Ersatz zu finden. Auch würde die Verknappung von Erdgas und die Umstellung auf Flüssiggas die Preise für die Endverbraucher weiter in die Höhe treiben. Auch wenn nur ein geringer Wertschöpfungsanteil zum Beispiel auf russisches Gas entfällt, können die Metallbauteile für ein Auto nicht ohne das für die Prozesswärme benötigte Gas hergestellt werden.

Dann steht nicht nur die Fabrik für die Metallbauteile still, sondern bei mangelnder kurzfristiger Ersetzbarkeit sind auch alle nachgelagerten Produktionsstufen in der Autoindustrie betroffen. Ein Lieferstopp von Erdgas – ob von russischer oder europäischer Seite – könnte damit also zu Produktionsausfällen, Kurzarbeit und gar Arbeitslosigkeit führen, deren Ausmaß kaum abzuschätzen ist.

QUELLE: iwd – Der Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft

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